Geistreiches

Hier erscheinen in unregelmäßigen Abständen Themen, die mich gerade beschäftigen und auch Sie interessieren könnten. 

Wenn Sie über Neuigkeiten auf dieser Seite informiert werden möchten, senden Sie mir eine Email. Ihre Emailadresse behandele ich vertraulich.



_______________________________________________________________________________________

14. Oktober 2011
Tod

Am 02. Oktober 2011 erschien in der Bild am Sonntag in der Kolumne „Gedanken am Sonntag“ von Peter Hahne ein Artikel mit dem Titel: „Ich weiss, wann ich geboren bin. Ich will nicht wissen, wann ich sterben muss.“

Als Leser wird man zu einem Kommentar ermutigt und ich habe Herrn Hahne meine bis jetzt unbeantwortet gebliebene Antwort per Email kundgetan.

Das Thema ist wichtig und immer präsent und den Artikel fand ich nichtssagend, voller Floskeln.

Ich meine zu wissen: so, wie das ungeborene Kind – bei einer Spontangeburt – den Geburtszeitpunkt bestimmt, so bestimmt die Seele den Todeszeitpunkt. Von daher handelt es sich eher um einen freiwilligen – wenn auch als solchen schwer nachvollziehbaren – Akt und deshalb ist das „müssen“ eher als wollen zu sehen.

Meine Meinung zum Artikel lautete:

Lieber Herr Hahne,

in unserem heutigen Dasein wird dem Thema Tod eher zu wenig, als zu viel Aufmerksamkeit gewidmet. Das führt dazu, dass dieses Thema angstbesetzt ist und verdrängt wird und wenn jemand damit konfrontiert wird – egal ob als persönlich betroffen kurz davor oder durch Verlust von Mitmenschen – steht er – Verzeihung – „wie Ochs‘ vorm Berg“.

Wir erleben die Realität in Polaritäten. Sie würden nie auf die Idee kommen, einen Gegenstand als spitz zu bezeichnen, wenn es auch nicht abgerundet gäbe und schon gar nicht das Eine als gut und das Andere als schlecht zu benennen. So gesehen sind das Leben und der Tod völlig gleichwertige 2 Ausprägungen der Existenz. Die Dynamik ist von der Natur vorgegeben und muss hingenommen werden. Aber der Umgang und der Bewertung von dem einen ist grundsätzlich anders. Geburt ist etwas Positives, Tod ist etwas Negatives. Geburt wird bejaht, Tod wird verneint.

Sie schreiben: „ich weiss, wann ich geboren bin“ Hinterher ist man immer klüger, könnte man sagen. Hinterher weiss man auch, wann der betroffene Mensch gestorben ist.

Was heute Gang und Gebe ist: man weiss heute schon im VORAUS genau, wann ein Kind geboren WIRD. Keiner regt sich darüber auf, dass einer werdenden Mutter der in der Zukunft liegende – also ungewisse – Zeitpunkt der Geburt mitgeteilt wird (mit vielen Ungenauigkeiten). Damit entsteht für das werdende Leben bereits VOR der Geburt ein ziemlicher Druck, denn wenn das Baby sich nicht daran hält – Föten leiten die Geburt durch Ausschüttung eines Hormons ein – dann gibt es Stress und die Mediziner greifen ein. Das alleine ist schon eine unglaublich belastende Startbedingung.

Also ist es bei der Geburt völlig okay, wenn dort prognostiziert wird. Beim Tod ist es nicht okay – sagen Sie.

 Sie sagen: „Es hat einen Sinn, nicht zu wissen, wie und wann das passiert. .... Dann sind wir auf den Tod, nicht mehr auf das Leben fixiert.“ – Meiner Erfahrung nach ist der Mensch generell nicht auf das Leben fixiert, auch wenn er sich nicht mit dem Tod beschäftigt, sondern voll mit Ängsten und jede Angst ist letztlich auf eine Todesangst zurückzuführen. Vordergründig ist es nicht ersichtlich, dass jemand, der gemobbt wird, Todesangst hat, aber im Kern hat er das, weil es letzlich darum geht, nicht dazuzugehören und das ist eine Urangst, die wir als Neugeborene spätestens mit dem ersten Atemzug aber wahrscheinlich schon während des Geburtsvorganges zu spüren bekommen. Der Mensch ist eine physiologische Frühgeburt – er ist in den ersten Lebensjahren völlig auf Fürsorge angewiesen – im Gegensatz zu den Tieren – und in dieser Zeit füllt sich sein Angstspeicher, der später in Verlustsituationen aktiviert wird. Auch der Redner, der vom Publikum nicht sprechen möchte, weil er tausend Tode stirbt, stibt letzlich nicht, wenn er ins Stocken gerät, aber sein Image stirbt und damit auch sein Ego. Und das befürchtet er.

Was wir bräuchten ist eine noch intensivere Beschäftigung mit der Thematik des Todes statt diese zu verpönen. Die Bedeutung des Todes gepaart mit dem Lebensweg des Menschen steht im Zentrum des Denkens von allen Kulturen seit Menschengedenken. Die Beschäftigung mit diesen zwei Punkten bringt jemanden erst auf einen spirituellen Weg, in dem man die Sinnfragen zu stellen beginnt.

Die Wahrheit ist, dass man das Leben erst dann richtig geniessen kann, wenn man den Punkt Tod schon abhaken kann. Dass setzt aber voraus, dass man sich damit befasst. Die Sufis haben diesen weisen Satz: du musst sterben, bevor du stirbst. Das große Stichwort ist: Loslassen.

Ich weiss, dass es sehr schwierig ist, sich mit diesem Thema konstruktiv auseinanderzusetzen, weil wir dafür keine Institution haben. Sowohl Ärzte, als auch Kirchenvertreter sind überfordert, wenn es um dieses Thema geht. Keiner klärt auf. Es müsste als Fach in der Schule unterrichtet werden.

Ich bin Astrologin und die klassische Astrologie hatte in erster Linie das Ziel, beim neugeborenen Herrschernachkömmling zu bestimmen, wie lange er leben wird. Wird er auch König, erlebt er das Alter etc.? Das war die Kernfrage und die Lebenslänge wurde als Erstes bestimmt. Man kann mit Hilfe der Astrologie die Lebenslänge tatsächlich berechnen. Ob man diese Info auch weitergibt, ist es eine andere Frage. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, es gibt durchaus Situationen, wo das hilfreich ist. Meiner Meinung nach kann man es nicht verallgemeinern, dass die Kenntnis über den Todeszeitpunkt generell verwerflich ist. Das muss jeder Mensch für sich ganz individuell entscheiden und dann auch mit der Konsequenz dieser Kenntnis klarkommen, zumindest die Verantwortung dafür übernehmen und wenn er diese Info bekommen möchte, muss er dafür auch gute Gründe haben.

In meiner Astrologieausbildung kam dieses Thema auch auf den Tisch und dort meinte eine Mitschülerin: ich will mir das nicht angucken, ich habe zu viel Respekt vor dem Tod. Da keimte in mir die Frage auf: aber du guckst dir das Geburtshoroskop an, dass das Leben widerspiegelt – heisst es: vor dem Leben hast du keinen Respekt.

Freundlich grüßt Sie

Frau Hartmann

Astrologin – Beraterin - Coach



_______________________________________________________________________________________

16. Mai 2011
„Zum Wiedersehen ohne Trennung führt nur des Todes heilige Stunde“


steht als kaum leserlicher eingravierter Satz an einem verwitterten Grabmal im Garten der Klosterkirche in Riddagshausen in Braunschweig. Ich entdeckte ihn erst vor einigen Wochen. Der Tod gilt heute im Alltagsbewusstsein als der Inbegriff der Trennung schlechthin; er symbolisiert Verlust, Versagen, Ende, Abschied, Loslassen, Angst und Schmerz, alles Schreckliche nur nichts Gutes. Und jetzt soll die Todesstunde heilig sein und ein Wiedersehen in Vereinigung versprechen?

Mich beschäftigt das Thema Tod seitdem ich nur denken kann. Seit meiner Kindheit sinne ich über Endlichkeit und Unendlichkeit nach. Was genau will dieser Spruch ausdrücken? Es ist ein klarer Aussagesatz, keine Frage, es ist wie eine Verkündung, ja wie eine frohe Botschaft, ein Versprechen. Die Antwort lieferte mir eine liebe alte Bekannte. Sie wurde vor Kurzem operiert und lag mehrere Wochen im Krankenhaus. Bei unserem Wiedersehen nach ihrer Rückkehr beichtete sie mir zunächst, dass sie meine Ansichten über das Leben und das Sterben im Allgemeinen schon immer mit viel Skepsis betrachtete. Jetzt ist allerdings etwas mit ihr passiert, das sie sehr nachdenklich stimmte. Sie berichtete mir folgende Erlebnisse:

Die zunächst einfach geglaubte Operation entwickelte sich zu einem stundenlangen und komplizierten Eingriff und sie durchlebte während dessen eine konkrete, lebendige Szene aus ihrer Kindheit. Es gab ein Gewitter, die Familie versammelte sich wie immer bei Donner und Blitz mit einer Kerze auf dem Tisch in der Küche. Sie, die Eltern, der Bruder und selbst der kleine ängstliche Hund waren beisammen. Alles war lebendig, sie sah die anderen, wie sie mich gerade in ihrer Küche ansah – so drückte sie es aus.

Während sie noch auf der Intensivstation lag, meinte der Chefarzt zu dem anwesenden Ehemann: „Ihre Frau war wohl noch nicht dran, sie musste doch nochmal zurück ... „

Der einzige Punkt, in dem die oben beschriebene Szene für meine Freundin nicht stimmig war: es fehlte genau eine Person: ihre Schwester. Alles war so, wie sie es sonst früher als Kind erlebt hatte, nur die Schwester fehlte.

Die Schwester ist die Einzige, die heute noch lebt, alle anderen Familienmitglieder und der Hund haben sich bereits verabschiedet.

 


______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

 26. Juli 2009

 
In memoriam Helga Pollmann (07.08.1947 – 19.07.2009)

Wer weise ist im Herzen,
der trauert nicht um die Lebendigen
noch um die Toten.
Alles, was lebt, lebt ewig.
Nur das Gehäuse, das Zerbrechliche vergeht.
Der Geist ist ohne Ende, ewig ohne Tod

Aus der Bhagavad-Gita

Unsere Wege berührten sich Anfang 2005 bei einer für mich mehrjährigen professionellen Astrologie-Ausbildung in Köln. Helga kam zu uns, um ihren damals schon ca. 20jährigen Wissens- und Erfahrungsschatz in puncto Astrologie zu strukturieren. Für sie wurde es aber nur ein kurzer Gastauftritt, denn urplötzlich wurde sie eine inbrünstige Verfächterin der klassischen und der Stundenastrologie und strich kurzerhand und radikal alle Transsaturnier (Uranus, Neptun, Pluto) aus ihrem Fachvokabular.

Wir – beide Plutoniker durch und durch (ich hoffe, du verzeihst mir) – haben uns auf Anhieb verstanden und ein intensiver Austausch begann. Sie hat meinen Blick auf die klassische Astrologie gelenkt und lehrte mir die Grundzüge der Stundenastrologie. Durch sie habe ich das Raider-Waite-Tarot entdeckt. Unzählige Stundenfragen hat sie mir geduldig und mit Hingabe beantwortet und hatte ein offenes Ohr für meine persönlichen Belange. Und was für eine Ehre: sie hat mich um astrologischen Rat gefragt. Mit ihren Empfehlungen (ob Kuchenrezept, Buchtipp, Kleidungswahl für einen besonderen Anlass, Umgang mit Mitmenschen oder synthetische Deutung einer Konstellation) war ich immer wieder gut beraten.

Sie ist gegangen und hinterließ eine heilsame Botschaft für grüblerische Zeiten:

Im Licht der Sonne verändert sich manches, was im Dunkel des Denkens düster erscheint.
(Helga Pollmann)



_______________________________________________________________________________________

18. Juli 2009
Das Labyrinth des Lebens und des Sterbens

Ich war in diesem Frühjahr (2009) in Chartres (Frankreich). In der sehr imposanten und mystischen Kathedrale befindet sich mit einem Durchmesser von beinahe 13 Metern das größte und einzig vollständig erhaltene Bodenlabyrinth als authentisches Zeugnis aus dem Mittelalter. Lediglich das Zentrum, eine Kupferscheibe ist verlorengegangen. Es besteht aus 11 kurvenförmigen, parallelen Strecken, die Gesamtlänges des Wegs ist genau 261,55 Meter: längster Weg auf kleinstem Raum. Das Labyrinth von Chartres wird auch als „Irrgarten“, „Meile“ oder „Weg nach Jerusalem“ bezeichnet. Der Überlieferung nach näherten sich die früheren Pilger (die sich eine Reise ins Heilige Land nicht leisten konnten) in Tanzschritten – 3 Schritte vor, 2 Schritte zurück – dem Labyrinth bzw. wurde es demütig auf Knien abgerutscht.

Was ist der tiefere Sinn des Labyrinths?

Seine Bedeutung ist vor allem geistiger Art. Mir erscheint es als Symbol der menschlichen Existenz. Es ist der Lebensweg von der Geburt (am Rand) bis zum Tod (im Zentrum). Bereits im Moment unserer Geburt beginnt dieser Sterbeprozess, den wir Leben nennen. Der Weg ist (scheinbar) einfach, wenngleich verschlungen. Man hat ein Ziel im Auge (= seine Mitte zu finden), das Ausdauer erfordert und nur unter vielen Anstrengungen und Mühen zu erreichen ist. Sich in den Windungen zurechtzufinden, symbolisiert das Eingebundensein in der materiellen Welt und die Herausforderungen, die uns im Laufe des Lebens begegnen.


Auch heute noch schreiten die Besucher das Labyrinth ab. Wenn wir den Weg gehen, kommen uns möglicherweise auf einer parallelen Bahn Menschen entgegen und es erscheint einem so, als ob sie in die verkehrte Richtung laufen würden. So ist es auch im richtigen Leben: manchmal verstehen wir nicht, warum jemand etwas tut, es erscheint uns als ein Rückschritt, als Irrweg. Doch auch hier gilt: alle gehen letzlich in die gleiche Richtung.

Es gibt jedoch zuweilen Situationen, in denen man einen Ariadnefaden gut gebrauchen kann, um sich nicht zu verlieren. So ein Ariadnefaden ist für mich die Astrologie als Selbsterkenntnisinstrument. Sie ist gut geeignet, um die Lebensaufgabe zu identifizieren. Wie ich Astrologie verstehe und praktiziere, lesen Sie hier:


Mailen Sie mir gerne, wenn Sie Fragen zum Artikel haben oder an einer Beratung interessiert sind.

Ihre Frau Hartmann


_______________________________________________________________________________________


27. Februar 2009
Was heisst hier „spirituell“?


Das Wort „spirituell“ taucht auf diesen Seiten vermehrt auf und auch sonst ist es in aller Munde. Manch einer mag es gar nicht mehr hören. Der Duden sagt, es heisst: geistig bzw. geistreich.  Aber was verbirgt sich dahinter genau? Über die Wortbedeutung hinaus geht es hier um eine grundsätzliche Lebenseinstellung.

Ein spiritueller Mensch ist der, der von der wunderbringenden Kraft und Macht des Geistes überzeugt ist. Punkt.

Es ist eine Gewissheit – manche nennen es „Glauben“ –,  das weder durch Nüchternheit, „Realität“, noch durch irgendwelche rationelle Argumentationskette und erst recht nicht durch die aktuelle Vorherrschaft des materiellen Denkens zerstört werden kann.

Wenn wir noch Kinder sind, wissen wir um dieses Geheimnis. Später vergessen wir es. Die Gedanken sind mächtig. Und es gibt Wunder. Das Vergessen ist aber nicht vollständig. Aus den verblassenden Erinnerungsfragmenten sind die zwei größten Wunder der Menschheit geboren: die Religion und die Kunst. Praktischen Nutzen in unserem irdischen Leben haben beide nicht. Sie halten die Erinnerungen an das Wunderbare wach.

Vergessen heisst: es gerät unter das Bewusstsein, ins Unterbewusstsein also. Wir erinnern uns nicht daran – existieren tut es jedoch trotzdem.

Das Leben geschieht uns nicht passiv, wir verursachen es aktiv. Das Leben ist eine Akt voller Wunder.

Aber das Kaninchen, das wir aus dem Zylinder hervorzaubern - oh Wunder -, haben wir vorher selber reingetan.

Auch dann, wenn wir uns nicht mehr daran erinnern.

Auch dann, wenn sich herausstellt, dass es kein Kaninchen, sondern ein Monster ist.

Die Gedanken haben keine Kraft, sie haben Macht. Macht heisst: sie machen etwas, sie wirken. Gedanken sind Handlungen.

Mein Lieblingsbuch zu diesem Thema ist:

Shakti Gawain: Stell dir vor

Ihre Gedanken von heute erschaffen Ihre Erfahrungen von morgen.

Mit Hilfe der individuellen astrologischen Analyse kommen wir gemeinsam auf die Spur Ihres Gedankenmusters. Kontaktieren Sie mich per Mail, wenn Sie es wünschen.


Ihre Frau Hartmann



mehr Geistreiches | Mein Anliegen